Die besonderen Merkmale Deutscher Weine
Die deutschen Weinlande - etwa auf der Höhe des
50. Breitengrades gelegen -gehören zu den nördlichsten der
Welt. Deutschland liegt somit im Grenzbereich zwischen feuchtwarmen
Golfstromklima aus dem Westen und dem trockenenKontinentalklima
des Ostens. Dies ist der Grund weshalb die sommer bei uns selten
zu heiß, die Winter selten zu kalt sind. Während es in südlichen
Ländern von Mai bis September kaum Niederschläge gibt, erhalten
die Weinberge hierzulande immer wieder eine erfrischende Dusche.
So können die Reben auch im Hochsommer ungehindert wachsen. Ein
warmes Herbstklima lässt die Trauben viele Wochen länger reifen
- oft bis in die späten Oktobertage oder sogar bis in den November
hinein.Während dieser für die Reben "zusätzlichen
Wochen" können sie aus dem Werdreich wertvolle Mineralien aufnehmen.
Dadurch wird der typische Geschmack unserer Weine geprägt. Durch
diese langsame, aber kontinuierliche Reifeentwicklung verbleibt
den Deutschen Weinen eine frische, fruchtige Säure, die unseren
Gewächsen eine unübertroffene Eleganz verleiht. Selbst die herbstlichen
Morgennebel haben ihre guten Seiten: Sie schützen die Trauben vor
frühem Frost und lassen die begehrte Edelfäule entstehen, die unsere
großen Spätlesen und Auslesen hervorbringt.
|

|
Diese besondere Lage im "hohen Norden"
prägt den Charakter und die Rasse. Die Trauben können langsam heranreifen,
Zucker und Säure, Duft und Geschmack können sich wohlabgestimmt
entwickeln. Im Gegensatz zu anderen Klimazonen haben die Deutschen
Weine einen geringeren Alkoholgehalt, dafür anregend frische Säure
und feine ausgeformte Bukettstoffe
Neben dem großräumigen Klima kennt der Fachmann
noch das "Kleinklima", das des einzelnen Weinbergs. Die
Himmelsrichtung der er zugewandt ist, die Intensität der Sonnenreflektion
durch den Flussspiegel, ein schützender Höhenzug
oder eine bewaldete
Bergkuppe, die den Wind abhält - alles verhilft den Deutschen Wein
zu seinem spezifischen Geschmack.
Der Boden ist der natürliche Lebensraum der Wurzeln.
Wenn er mit Reben bepflanzt werden soll, muss er eine genügende
Mächtigkeit oder Gründigkeit haben, damit sich die Rebwurzeln darin
ausbreiten und ihre Funktion, den Rebstock fest zu verankern und
mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen, erfüllen können. Der Boden
bestimmt aber nicht das Gedeihen der Reben, sondern auch den Geschmack
der Trauben und damit den Charakter des Weins. In der Praxis wird
Weinbau auf allen Bodenarten mit Ausnahme reiner Humusböden betrieben
(reine Humusböden liegen zu sehr im sauren Bereich, der für die
Reben keine optimalen Wachstumsbedingungen bietet):
Durch Kulturmaßnahmen und Düngung hat der Winzer
Mittel an der Hand, nachteilige Eigenschaften bestimmter Bodenarten
zu verbessern.
Der Einfluss des Bodens bzw. der Bodenart auf das
Gedeihen der Rebe und die Qualität und Art der Weine lässt sich
vereinfacht charakterisieren durch folgende Einteilung:
Zwischen diesen Hauptbodenarten gibt es zahlreiche
Übergänge, so dass die Gesamtzahl der verschiedenen Böden in den
deutschen Weinbaugebieten grob geschätzt bei weit über 1000 liegen.
Nicht jede Bodenart ist für ist für jede Rebsorte geeignet.
Die Rebsorten des deutschen Weinbaus unterscheiden
sich erheblich von denen der großen Weinbauländer der Erde. Die
nördliche Lage Deutschlands war für den Weinbau nur zu erschließen,
weil an das Klima unserer Breiten angepasste Sorten angepflanzt
wurden. Vegetationszeit, Sonnenscheindauer, Niederschläge und Wintertemperaturen
stellen hier ökologische Anforderungen an die Rebsorten, die nicht
zu vergleichen sind mit dem im Mittelmeerraum herrschenden Verhältnissen.
|
Vulkanböden:
|
füllige, gehaltvolle,
feurige Weine
|
|
Schieferböden:
|
feinrassige,
pikante, spritzige Weine
|
|
Keuper- und Muschelkalkböden:
|
herzhafte,
kräftige Weine
|
|
Löß- und Lehmböden:
|
gehaltvolle,
bukettreiche Weine
|
Unsre Reben setzen sich aus Sorten zusammen, die
einerseits im Gebiet der Rheins und seiner Nebenflüsse ursprünglich
durch natürliche und ortsgebundene Selektion (Riesling) entstanden
sind andererseits auch durch ein Zuwandern fremder, aber heimisch
gewordener Sorten (z.B. Burgunderarten) erweitert wurden.Dieser
Prozess vollzog sich sogar noch in historischer Zeit und erlebt
heute durch die moderne wissenschaftliche Züchtung eine früher nicht
gekannte Intensivierung Eine Veränderung der Sortenstruktur ist
- wenn man längere Zeiträume betrachtet - daher unvermeidbar und
unaufhaltbar. Mach konservativem Weinfreund mag dies ein unangenehmer
Gedanke sein.Die wissenschaftliche Rebenzüchtung setzte noch
vor der Wiederentdeckung der Mendelschen Gesetze ein. Es mussten
Unterlagsreben geschaffen werden und gleichzeitig begann eine intensive
Rebenselektion. Heute ist der deutsche Weinbau der einzige in der
Welt, der nur züchterisch bearbeitete alte und neue Sorten als Egelreis
und Unterlage verwendet.
Von den etwa 8000 weltweit bekannten Rebsorten dürfen
in der Bundesrepublik Deutschland etwas mehr als 50 zur Weinbereitung
herangezogen werden. Doch selbst innerhalb dieses geringen Anteils
ergeben sich eine Fülle von Geschmacksunterschieden beim Wein. Nicht
jede Rebe liefert überall einen gleich guten Wein. Für den Charakter
des Weins bedeutet die Rebsorte soviel wie die ererbten Anlagen
für den Charakter eines Menschen. Beide entwickeln sich je nach
Umwelteinflüssen verschieden. So bringt die gleiche Rebsorte an
unterschiedlichen Standorten angebaut auch unterschiedliche Weine
hervor. Die Eingruppierung der Sorten nach ihrem Weintyp
kann somit nur als gewisse Entscheidungshilfe bei der Sortenwahl
angesehen werden, aber keinesfalls als völlig übereinstimmend mit
der Leitsorte, zumal es auch Sorten gibt, deren Weine man zwei verschiedenen
Gruppen zuteilen kann
|